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Widerstand: miteinand‘

Die nächste Ausgabe von Tipping Points fällt in eine Zeit, in der sich nicht nur mehrere miteinander verbundene Krisen – vom Klimasystem über die Ausbreitung autoritärer Politik bis hin zu Kriegen und Konflikten – global zuspitzen. Ihre Folgen kommen zugleich immer unmittelbarer bei immer mehr Menschen an: Wir spüren die Teuerung beim alltäglichen Einkauf, bei den Mieten und beim Strom. Schwankende Energie- und Rohstoffpreise führen uns vor Augen, wie abhängig unser Alltag von politischen Entscheidungen und Konflikten andernorts ist. Und auch die zunehmende Aufrüstung und Militarisierung Europas macht sich durch Sparzwänge und politische Prioritätenverschiebungen bemerkbar.

Wenn es nach vielen Regierungen in Europa geht, soll nicht nur im Kultur-, Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich gespart werden. Wir erleben zugleich, wie zivilgesellschaftliches Engagement und politische Organisierung erschwert statt gefördert werden, offene und selbstorganisierte Räume verschwinden und Menschenrechtsarbeit gekürzt oder unter Druck gesetzt wird. Gleichzeitig gewinnen rechtsradikale und autoritäre Akteur*innen und Positionen in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen an Einfluss. Queerfeindliche und antifeministische Einstellungen nehmen zu, Migration wird immer gewaltvoller abgewehrt und von Hasspropaganda begleitet, während Kontrolle und Überwachung weiter ausgebaut werden.

Wo können wir in dieser Situation ansetzen? Wo liegen die Hebel, um Gegenmacht aufzubauen oder Räume, Strukturen und gesellschaftliche Errungenschaften zu verteidigen? Wo entstehen neue Ansätze in emanzipatorischen und kritischen Bewegungen? Und welche Gruppen und Strukturen sind gerade besonders gefährdet und brauchen solidarische Unterstützung?

Wir haben uns entschieden, mit Tipping Points – ähnlich wie die Entwicklungen, denen wir uns gegenübersehen – diesmal stärker in die Breite zu gehen. Es geht darum, unsere gemeinsame Widerstandskraft zu stärken. Den Aufbau von Alternativen halten wir weiterhin für zentral – nicht zuletzt war er ein Schwerpunkt von Tipping Points #12. Diesmal wollen wir den Blick jedoch stärker auf Gegenwehr, Widerstehen und solidarisches Zusammenrücken richten: darauf, wie wir einander unterstützen können, wenn Räume eingeschränkt, Rechte angegriffen oder emanzipatorische Errungenschaften zurückgedrängt werden. Widerstand miteinand’ ist deshalb das Motto.

Das „Miteinand’“ ist dabei keine bloße Ergänzung. Es beschreibt, wie wir Widerstand verstehen wollen: nicht als Aufgabe einzelner Menschen, die für sich allein widerstandsfähiger werden sollen, sondern als etwas, das erst durch Beziehungen, Organisierung und Solidarität entsteht. Widerstand kann heißen, sich einem Angriff entgegenzustellen. Er kann aber ebenso bedeuten, füreinander Strukturen aufzubauen, Wissen weiterzugeben, Räume zu erhalten, Ressourcen zu teilen oder Menschen und Gruppen zu unterstützen, die stärker unter Druck geraten als andere. Wir wollen deshalb danach fragen, was wir voneinander lernen können, wo sich Kämpfe miteinander verbinden lassen und wie aus vielen unterschiedlichen Formen des Widerstehens ein gemeinsames Handeln entstehen kann. Denn vielleicht beginnt Widerstand nicht erst dort, wo wir uns erfolgreich gegen etwas durchsetzen. Vielleicht beginnt er schon dort, wo wir uns zusammentun.

In den nächsten Wochen wir die Anmeldung öffnen – Verpasst keine News – und merkt euch das Datum vor:
20.–22. November im Kulturzentrum 4lthangrund in Wien.

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